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QuartierPflege

Ein Modellprojekt für Nachbarschaftlichkeit in der Pflege

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Nachbarschaft ist eine Antwort

Verschiedene Studien prognostizieren eine Personallücke zwischen 250.000 bis 400.000 Pfleger*innen bis zum Jahr 2030.

Diese Lücke kann durch Neueinstellungen in dieser kurzen Zeitspanne nicht annähernd geschlossen werden.

Eine von vielen sinnvollen Antworten auf diese Herausforderung ist eine bessere Mobilisierung von nachbarschaftlichen Sorge-, Hauswirtschafts- und Pflege(hilfs)leistungen.

Lösungsansatz

Es gibt viele Studien und Projekte zum Quartiermanagement sowie zur Belebung von Nachbarschaft. Auch zum Übergang zwischen Wohnquartier und Pflegeeinrichtungen gibt es viele Lösungsansätze. Unserer Kenntnis nach gibt es jedoch kein Modell, wie die Bewohner*innen eines Nachbarschaftsviertels sich untereinander so abstimmen und verzahnen können, dass die Annahme von Hilfsleitungen, Pflege und der mögliche Übergang vom Wohnquartier in Pflegeeinrichtungen durch Nachbarschaft gestützt, getragen und organisiert werden kann. 

Weil die Rechtsform Genossenschaft bereits Kooperation und Mitbestimmung bedingt, wählen wir eine Wohnungsbaugenossenschaft als Partner. Genauer ein Quartier von 500 bis 1.500 Menschen, wo Nachbarschaft erfahrbar ist und gelebt wird. 

Die Ergebnisse des Projektes sollen für die örtliche Genossenschaft im Quartier direkt umsetzbar sein.

Projektablauf 

Das Projekt läuft von Februar 2019 bis September 2020. Von Februar bis April 2019 kontaktieren wir Expert*innen, Verbände und Genossenschaften, um sie als Projektteilnehmer*innen zu gewinnen. Von April bis Juni 2019 stimmen wir Themengebiete ab und formulieren erste Lösungsansätze. 

Die monatlichen Diskussionen starten vor der Sommerpause 2019 und laufen über einen Zeitraum von 13 bis 15 Monaten. Jede Veranstaltung wird vor- und nachbereitet, so dass nicht nur Anwesende, sondern alle Bewohner*innen im Quartier in den Modellentwurf einbezogen werden können. Das realisieren wir über Hausbesuche, Flyer, Emails und soziale Medien sowie Podcast-Aufnahmen. 

Bis Ende 2020 soll das Modell mit der Genossenschaft abgestimmt sein und eventuell durch eine  Entscheidung der Mitgliederversammlung in Umsetzung kommen. 

Breite Beteiligungskultur

Wir setzen auf ein offenes, gleichberechtigtes Gesprächsformat mit den Bewohner*innen, um eine breite Beteiligung am Projekt zu organisieren. Die Bewohner*innen können über mehrere Gesprächsrunden hinweg die Ergebnisse des Projektes selbst bestimmen. Dazu werden pro Veranstaltung Szenarien entwickelt, über die am Ende des Abends zur Probe entschieden werden soll. 

Jede einzelne Diskussionsrunde wird über Dossiers, Kommentare und Expertenbeiträge vorab wie im Anschluss aufbereitet, so dass einzelne Veranstaltungen zu einem mehrspurigen Prozess werden. Durch den anhaltenden Dialog kann konkretes Feedback oder ein nachträglicher Vorschlag über einen längeren Zeitraum diskutiert und geklärt werden, um dann in die Entwicklung des Pflegemodells einzufließen.

Inspiration

Unsere Diskussionsveranstaltungen in der naTo im Jahr 2018 mit Pflegerinnen, Gepflegten sowie PolitikerInnen und Arbeitgeberinnen haben uns zu diesem Projekt geführt. Lesen Sie gerne die Ergebnisse der damaligen Diskussionen hier nach.

Eckpfeiler des Modells 

Während des Projektverlaufs sollen praktikable Prozesse entwickelt werden, die für die Bewohner*innen vor Ort so sinnvoll sind, dass sich eine Mehrzahl daran beteiligt. Gleichzeitig müssen die Prozesse mit der Verwaltung der Genossenschaft abgestimmt sowie dauerhaft umsetzbar und finanzierbar sein.

Uns stellen sich eine Reihe von offenen Fragen, die in Zusammenarbeit mit Expert*innen und der Genossenschaft zu klären sind:

Bis zu welcher Pflegegrad wird Wohnen im Quartier ermöglicht?

  • Welche Wohnformen werden dafür im Quartier benötigt?

  • Wie werden diese bedarfsgerecht vergeben?

  • Wie kann ein Mehrgenerationen-Ansatz integriert werden? 

Wie soll das Verhältnis aus Nachbarschaft, familiärer Hilfe und ambulanten Diensten beschaffen sein? 

  • Welche Leistungen übernimmt die Nachbarschaft (soziale Hilfestellung, Alltagsbegleitung oder auch Pflegeleistungen)?

  • Wie sieht der Übergang zu ambulanten Diensten oder einer Pflegeeinrichtung aus? 

  • Wie wird die Familie eingebunden (Planung, Leistungsauswahl, Übernachtungsmöglichkeit, Parkplatz, Essen)?

  • Führt die Genossenschaft ein Zeit- oder Tauschkonto oder wird über Geld abgerechnet?

Welche Dienste übernimmt die Genossenschaft zentral?

  • Wird der ambulante Pflegedienst zentral ausgewählt und geführt? 

  • Soll eine Pflege- und Wohnberatung genossenschaftlich aufgebaut sein? 

  • Gibt es ein genossenschaftliches Case-Management? 

Wie finanziert sich das Modell langfristig?

  • Werden Pflegebeiträge der Genossenschaftsmitglieder verwendet? 

  • Werden Förderungen für Alltagsbegleitung oder Nachbarschaftshilfe integriert? 

etc. 

Unsere Partnerin: Genossenschaft Halle-Merseburg

Die Bau- und Wohnungs-Genossenschaft Halle-Merseburg e.G. verfügt über insgesamt 5.000 Wohnheiten in Halle und Merseburg.

Im Quartier Rosengarten, in welchem wir das Projekt ansiedeln, leben circa 1000 Menschen. Direkt vor Ort stehen gemeinsam genutzte Räumlichkeiten zur Verfügung, um die Diskussionsrunden abzuhalten.

Für die gesamte Genossenschaft betreuen zwei Sozialmanager:innen über 1.000 Veranstaltungen im Jahr in den Bereichen Sport, Musik und Kultur und co.

Ab Sommer 2019 wird sich eine hauptamtliche Person um die Pflegestrukturen und betreutes Wohnen kümmern sowie im ersten Schritt unser Projekt aktiv begleitet.

Das Durchschnittsalter aller Genossenschaftsmitglieder liegt bei 65 Jahren, bei den aktuell 400 Neueintritten in die Genossenschaft pro Jahr liegt es bei 41 Jahren.

Zudem ist die Genossenschaft seniorenzertifiziert und betreibt einen Erlebnispark für junge Leute, der insgesamt von 60.000 Besuchern pro Jahr angenommen wird.


 

Kooperierende Expert*innen

 
© Bosold Pflege GmbH

© Bosold Pflege GmbH

Tobias Bosold, Geschäftsführer der Bosold Pflege GmbH

Seit 1986 ist er Krankenpfleger und Pflegedienstleiter (PDL), hält einen BA Pflegemanagement und ist an der Implementierung des Buurtzorg-Pflegemodells (sich selbst organisierendes Nachbarschafts-Pflegemodell) in Leipzig Connewitz beteiligt.

Tobias Bosold wird uns im Bereich professionelle Pflege nach SGB 11 und 5 unterstützen und seine Erfahrungen aus der Leitung eines ambulanten Pflegedienstes einbringen.

Dabei kommt es ihm auf gute Vor-Ort-Beratung, Vernetzung und die richtigen Kooperationspartner an. Wichtig sei zudem aus bereits erarbeiteten Modellen Inspiration zu schöpfen. Eine praktische Umsetzbarkeit sowie eine gute Dokumentation und wissenschaftliche Begleitung des Projektes seien nötig.


© Stefanie Schmidt

© Stefanie Schmidt

Dr. Sonja Menzel

Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin und als Projektentwicklerin seit 1994 mit Wohnungsgenossenschaften bzw. speziell auch mit der Gründung von neuen genossenschaftlichen Wohnprojekten befasst.

Frau Menzel engagiert sich in der Bildungsgenossenschaft innova eG, im Arbeitskreis Integriertes Wohnen e.V. und im Bundesverein zur Förderung des Genossenschaftsgedankens e.V., so dass sie viel genossenschaftliche Expertise mitbringt.

Im aktuellen Projekt unterstützt sie uns mit gelungenen Beispielen von Selbsthilfe und Selbstverantwortung, bei Partizipationsprozessen der Mitglieder und bei der Gestaltung der Kooperationsbeziehungen der Akteure im Quartier

Wichtig ist ihr die Genossenschaft und ihre Mitglieder vor Ort zu begeistern sowie dafür zu sorgen, dass die Expert*innen im Projektverlauf sukzessive überflüssig werden.


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Regina Schulze, AOK PLUS-Bereichsleiterin Pflege/Häusliche Krankenpflege

Möglichkeiten der Unterstützung/Finanzierung durch die soziale Pflegeversicherung aufzeigen ist der Schwerpunkt von Frau Schulze. Die Pflegeversicherung bietet viele Möglichkeiten Pflegebedürftige und deren Angehörige zu unterstützen. Oft werden die zur Verfügung stehenden Mittel nicht genutzt. Deshalb haben Aufklärung und Beratung oberste Priorität.

Wichtig ist, dass die Bewohner im Quartier wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie in einer schwierigen Situation sind, z.B. konkrete Ansprechpartner.  Gute Ergebnisse für das Projekt wären, wenn die Genossenschaftsmitglieder so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung, in ihrer Wohnung bleiben können bzw. das Leistungsspektrum der sozialen Pflegeversicherung besser genutzt und die nachbarschaftliche Hilfe und Unterstützung gestärkt wird.

© https://dcn.medizin.uni-halle.de

© https://dcn.medizin.uni-halle.de

Dr. rer. med. Stephanie Heinrich

Als Krankenschwester und Diplom Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Halle interessiert sich Frau Heinrich insbesondere für die Themen Demenz, ambulante Versorgung, aufsuchende Hilfe und Quartierentwicklung.

Ihrer Erfahrung nach, ist der Einbezug von Ehrenamt oft schwierig und selten ohne Aufwandsentschädigungen dauerhaft zu gewährleisten. Wichtig ist ihr, Demenz bei der Gestaltung und Einbeziehung von ambulanten Hilfen gleich mitzudenken.

Ein gutes Ergebnis des Projektes wären verlässliche Strukturen und Angebote, kontinuierliche Ansprechpartner*innen sowie eine breite Bekanntheit im Quartier.


© https://www.pflege-in-leipzig.de/

© https://www.pflege-in-leipzig.de/

Robert Wolf, Assistent der Geschäftsführung Bosold Pflege GmbH

Er ist geprüfter Fachwirt des Gesundheits- und Sozialwesen, hält einen Magister in Politikwissenschaften und ist examinierter Krankenpfleger. Seine Expertise liegt darin, Strukturen, Akteure & Finanzierungsformen im Gesundheitssystem zu kennen und diese für das Modellprojekt fruchtbar zu machen.

Ihm ist es wichtig, einen offenen, wertschätzenden Austausch aller professionellen, institutionalisierten und nicht-professionellen bzw. ehrenamtlichen Akteuren zu organisieren.

Persönlich sieht Herr Wolf momentan in der Gesundheits- und Sozialpolitik viele offene Fragen, ohne dass auch nur in Ansätzen zukunftsweisende Ideen in einem politischen Diskurs münden würden. Daher sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um gemeinsam, aktiv und dezentral, lokale Strategien und Strukturen für Hilfebedürftige und Helfende zu entwickeln. Wenn die Ergebnisse unseres Projektes in (Sozial- und Kommunal-)Politik münden, so dass Lebens- und Arbeitsverhältnisse und damit die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt werden, sei das ein toller Erfolg.


Ihre Unterstützung

Helfen Sie mit bei der Realisierung, indem Sie sich mit einer kleinen Spende direkt am Projekt beteiligen.

Sie helfen ganz konkret dabei, die Bewohner:innen vor Ort noch besser über das Projekt mit Flyern und über digitale Medien zu informieren.

Je mehr Anwohner:innen sich an der Projektausgestaltung beteiligen, umso besser - so finden wir.

© Deutscher Ethikrat/ Foto Reiner Zensen

© Deutscher Ethikrat/ Foto Reiner Zensen

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer

Sie leitet an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft. Frau Meyers Expertise ergibt sich aus Forschungen zu Gesundheits- und Pflegefragestellungen des höheren Lebensalters (Demenz, Sturz und sturzbedingte Verletzungen, Gelenkkontrakturen, ethische Fragen und soziale Teilhabe).

© https://dcn.medizin.uni-halle.de

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Anja Bieber, MSc Dementia Studies, Diplom-Pflegewirtin

Frau Bieber ist außerdem Case Management Ausbilderin (DGCC) und staatlich anerkannte Altenpflegerin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Frau Meyer Forschung zur Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz, zu Case Management für Menschen mit Pflegebedarf und zu kommunaler Altenhilfe betreibt.

Gemeinsam sehen sie sich für die Themen "Leistungen der Nachbarschaft" und "Zentralisierung von Leistungen" verantwortlich. Wichtig sei dabei eine Abgrenzung von nachbarschaftlicher Unterstützung zu professioneller Pflege und Versorgung. Hierbei kann auf vorhandene Erfahrungen zurückgegriffen werden, wie z.B. dem sächsischen Projekt Nachbarschaftshilfe. "Zentralisierung von Leistungen": Hier sollte koordinierte Leistungssteuerung im Vordergrund stehen. Der Einsatz von Case Management könnte die Leistungserbringung unterschiedlicher Dienstleister individuell bedarfsgerechter steuern. 

Die Planung der Diskussionsveranstaltungen könnte mit einer Recherche zu nationalen und internationalen Gute-Praxis-Beispielen unterstützt werden.


© http://arbeits-gruppe.de/architekten_ingenieure

© http://arbeits-gruppe.de/architekten_ingenieure

Juri Kuther, Architekt, Dipl. Ing. M.A.

Seine Rolle ist es räumlich bzw. bauliche Aspekte in das Projekt einfließen zu lassen. Das Entwickeln von Konzepten und das Entwerfen von Räumen ist ein Hauptbestandteil seiner Arbeit. Seine Stärken liegen darin, diese doch recht komplexen Prozesse zu veranschaulichen um alle Beteiligten und letztlich davon "Betroffenen" so weit wie möglich zu integrieren.

Die Herausforderung wird darin bestehen diese Eigenschaften herauszuarbeiten, und zusammen mit allen Projektbeteiligten räumliche Konzepte zu entwerfen und diese wenn möglich auch umzusetzen.

Im Freundeskreis so wie in seiner Familie wird viel im Pflegebereich gearbeitet. Daher setzt er sich fast täglich mit diesem Thema auseinander und ist sehr daran interessiert, welche Rolle hier Architektur spielt und was sie leisten kann.

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Elke Härtig, Pflegenetzwerk Leipzig, Netzwerkkoordinatorin

Als Leiterin des Beratungszentrums des Pflegenetzwerk Leipzig e.V. mit seiner Vielzahl an Angeboten für die Leipziger Bürger (persönliche Beratung, Pflegekurse, Kurse für Nachbarschaftshelfer, Bürgerveranstaltungen) weiß sie um die Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen und ihrer Familien.

Dabei ist es für sie unerheblich, ob es sich um Menschen mit einer Behinderung oder durch Alter und Krankheit pflegebedürftig gewordene Menschen handelt. Als Case Managerin (DGCC) und mit der Hintergrunderfahrung aus der Alten- und Behindertenhilfe möchte sie den Betroffenen und ihren Familien alle Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufzeigen, die sich aus der Gesetzgebung und den lokalen Hilfestrukturen in Leipzig ergeben. Dafür arbeitet sie gut vernetzt und im engen Austausch mit den entsprechenden Akteuren.

Die Individualität jedes pflegebedürftigen Menschen mit seinem ganz persönlichen Hilfe- und Unterstützungsbedarf sollte sich in den Unterstützungsangeboten vor Ort widerspiegeln.


© Juliane Stubner

© Juliane Stubner

Juliane Stubner, M.Sc. Urbanistik

Examinierte Krankenschwester, Urbanistin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der MLU Halle-Wittenberg. Ihre Expertise ist Sozialraum- und praxisorientierte Forschung in Bezug auf senioren- und demenzgerechte Stadt- und Kommunalplanung (vor allem in der Schnittstelle zwischen sozialwissenschaftlicher Stadtforschung und Pflege.

Im Fokus steht für sie eine bedarfsgerechte Quartierentwicklung aus nachbarschaftlichem, familiärem und professionellem Zusammenwirken.


Blog zum Modellprojekt QuartierPflege